War 2024 das Jahr der Durchsetzung von Regulierung, mit AFIR in der EU, NEVI in den USA und neuen Standards in Australien, die alle in Kraft traten, so zeichnet sich 2025 als das Jahr der Daten und der Cybersicherheit ab. Die nationalen Regierungen haben erkannt, dass transparente, standardisierte Daten entscheidend sind, um das Geschäftsmodell für das Laden von Elektrofahrzeugen zukunftssicher zu machen. Von Brüssel bis Washington führen Regulierungsbehörden technische Rahmenwerke ein, die grundlegend verändern werden, wie Ladestationsbetreiber (CPOs) ihre Infrastruktur melden, absichern und monetarisieren.
Es steht viel auf dem Spiel. Der 14. April 2025 ist eine wichtige Compliance-Frist für die AFIR-Datenmeldung, während neue Cybersicherheitsvorgaben aus NIS2 und dem Cyber Resilience Act bereits EU-weit gelten. Gleichzeitig entwickeln sich die steuerlichen Rahmenbedingungen schnell weiter, von Klarstellungen zur Umsatzsteuer bis zu neuen Anforderungen an die elektronische Rechnungsstellung, und der portugiesische Markt steht vor seiner größten Strukturreform seit Jahren.
Regulatorische Entwicklungen
AFIR-Datenmeldung an nationale Zugangspunkte (Frist: 14. April)
Nach der AFIR mussten die EU-Mitgliedstaaten bis zum 30. Dezember 2024 nationale Zugangspunkte (NAPs) einrichten, um die technische Umsetzung der Datenbereitstellungsvorschriften der Verordnung zu ermöglichen. Im Dezember veröffentlichte die Europäische Kommission Entwürfe delegierter Rechtsakte, die technisch festlegen, wie CPOs Daten bereitstellen, APIs implementieren und V2G-Funktionen unterstützen müssen.
Die ursprünglich im April 2024 skizzierten Datenkategorien wurden nun deutlich erweitert: Dutzende neue Parameter decken alles ab, von der Verfügbarkeit in Echtzeit über Preistransparenz bis zu Steckerspezifikationen. Die Anforderungen werden zwar noch abschließend regulatorisch geprüft, in der Branche geht man aber davon aus, dass der endgültige Text kaum vom Entwurf abweichen wird.
Was das für Betreiber bedeutet:
- Compliance-Frist: 14. April 2025
- CPOs müssen konforme APIs implementieren, die sowohl statische als auch dynamische Daten an die NAPs liefern können
- Die Daten müssen in standardisierten Formaten bereitgestellt werden (je nach Rechtsordnung OCPI 2.2.1 oder DATEX II)
- Bei Nichteinhaltung drohen Sanktionen und ein eingeschränkter Marktzugang
Die erweiterte Datenmeldung stärkt das EV-Ökosystem: Sie verbessert die Interoperabilität, ermöglicht eine genauere Infrastrukturplanung und vereinfacht grenzüberschreitende Abläufe. Sie bringt aber auch neue technische und betriebliche Pflichten mit sich, die sofortige Aufmerksamkeit erfordern.
Cybersicherheit beim EV-Laden: NIS2 und Cyber Resilience Act
Mit dem Inkrafttreten der NIS2-Richtlinie im Oktober 2024 und dem nun geltenden Cyber Resilience Act (CRA) ist Cybersicherheit zu einer grundlegenden Compliance-Anforderung für den Betrieb von Ladeinfrastruktur in Europa geworden. Im Januar 2025 sind die meisten EU-Länder noch dabei, die Mindestanforderungen von NIS2 in nationales Recht umzusetzen, doch die Kernpflichten sind klar. Zu den wichtigsten Anforderungen gehören Kriterien für Produktkonformität, Firmware-Leistung und Cybersicherheitsrisiken. Diese Kriterien und Anforderungen stimmen weitgehend mit der Normenfamilie ISO 27000 überein.
Was das für Betreiber bedeutet:
- CPOs müssen gemeinsam mit ihren Hardware-Lieferanten prüfen, ob die Anforderungen von NIS2 und CRA erfüllt sind
- Softwareplattformen (einschließlich CPMS-Anbietern) müssen sichere Authentifizierung, verschlüsselte Kommunikation und regelmäßige Sicherheitsaudits umsetzen
- Betreiber können nach NIS2 als „wesentliche Einrichtungen“ oder „wichtige Einrichtungen“ eingestuft werden, was zusätzliche Governance-Anforderungen auslöst
- Die Sorgfaltsprüfung der Lieferkette ist jetzt Pflicht: Nicht konforme Geräte dürfen nicht eingesetzt werden
Der regulatorische Fokus auf Cybersicherheit zeigt, dass Ladeinfrastruktur zunehmend als kritische nationale Infrastruktur verstanden wird. Betreiber, die das Thema als reine Formalität statt als strategische Priorität behandeln, gehen sowohl Compliance-Risiken als auch Reputationsrisiken ein.
Fiskalisierung und Umsatzsteuer: neue Regeln für E-Rechnungen
2024 wurden in ganz Europa neue Fiskalisierungsregeln eingeführt, und 2025 bringt eine weitere Harmonisierung, vor allem bei der elektronischen Rechnungsstellung und der umsatzsteuerlichen Behandlung grenzüberschreitender Ladevorgänge. Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Markt, doch gemeinsame Elemente zeichnen sich ab:
- Pflicht zur E-Rechnung: Mehrere EU-Mitgliedstaaten verlangen inzwischen die Übermittlung von Rechnungsdaten in Echtzeit (im Format .xml oder .csv) direkt an die nationalen Steuerbehörden
- QR-Code-Pflicht: Quittungen und Rechnungen müssen maschinenlesbare Codes zur Überprüfung enthalten
- Klarheit bei der Umsatzsteuer: Ein wegweisendes Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Oktober 2024 hat bestätigt, dass der Verkauf von Strom eine steuerpflichtige Lieferung von Gegenständen ist und dass damit verbundene Leistungen (etwa Entgelte für den Zugang zum Ladenetzwerk) eigenständige Umsätze sind, sofern sie nicht Nebenleistungen zur Stromlieferung sind
Dieses EuGH-Urteil hat große Auswirkungen auf E-Mobilitätsanbieter (eMSPs), die grenzüberschreitende Dienste anbieten. Es klärt, wo in komplexen Roaming-Szenarien die Umsatzsteuerschuld liegt, und wird beeinflussen, wie Ladevorgänge in der gesamten Union strukturiert und besteuert werden.
Was das für Betreiber bedeutet:
- CPOs und eMSPs müssen sicherstellen, dass ihre Abrechnungssysteme konforme E-Rechnungen erstellen können
- Grenzüberschreitend tätige Betreiber sollten die umsatzsteuerliche Behandlung mit Rechts- und Steuerberatern prüfen
- Je nach Rechtsordnung kann eine Anbindung an nationale Plattformen für die steuerliche Meldung erforderlich sein
Liberalisierung von Mobi.E in Portugal
Die portugiesische Regierung hat einen Gesetzentwurf zur Liberalisierung des nationalen Marktes für das Laden von Elektrofahrzeugen vorgelegt, der den Wettbewerb stärken und das Bezahlen für EV-Fahrer vereinfachen soll. Der Entwurf, dessen Beratung in der Versammlung der Republik für den 30. Januar angesetzt ist, ist eine der bedeutendsten Strukturreformen der europäischen Politik zum EV-Laden.
Zentrale Änderungen:
- Wegfall der verpflichtenden Verträge zwischen Betreibern und Energieversorgern
- Pflicht zu transparenten Tarifen in allen öffentlichen Ladenetzwerken
- Pflicht zu Ad-hoc-Zahlungsoptionen, damit gelegentliche Nutzer und Touristen leichter laden können
- Angleichung der nationalen Vorschriften an die Anforderungen der AFIR zu Interoperabilität und Transparenz
Wird die Reform verabschiedet, verändert sie den portugiesischen Markt grundlegend: Sie senkt die Eintrittsbarrieren für neue CPOs und verbessert das Nutzungserlebnis für EV-Fahrer, die sich seit Langem über die Komplexität des bestehenden Systems beklagen.
Förderung und Anreize
EU: 1 Mrd. € an AFIF-Mitteln weiter verfügbar
Bisher hat die Fazilität für Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIF) der EU 1,3 Mrd. € auf 131 Projekte verteilt und damit die Installation von rund 24.000 Ladepunkten mit 150 kW und 2.500 Ultraschnellladestationen mit 350 kW entlang der TEN-V-Korridore der EU unterstützt.
CPOs konnten Ende 2024 im Rahmen der jüngsten Förderrunde über 1 Mrd. € Projektvorschläge einreichen. Während die Ergebnisse des ersten Stichtags noch ausstehen, haben neue und erneut teilnehmende Antragsteller zwei weitere Gelegenheiten: den 11. Juni 2025 und den 17. Dezember 2025.
Förderkriterien:
- Die Projekte müssen an Korridoren des TEN-V-Kernnetzes oder des Gesamtnetzes liegen
- Die Infrastruktur muss die technischen Standards der AFIR erfüllen (von der AMPECO-Plattform bereits unterstützt)
- Antragsteller müssen ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit und betriebliche Leistungsfähigkeit nachweisen
Die AFIF bleibt eine der wichtigsten Quellen für nicht verwässerndes Kapital für die europäische Ladeinfrastruktur. Betreiber sollten Anträge für stark befahrene Korridore und strategisch unterversorgte Regionen vorrangig stellen.
Neue US-Regierung und Bundesförderung
Eine Executive Order der Trump-Regierung hat bestimmte Mittel aus dem Inflation Reduction Act für 90 Tage ausgesetzt. Das wirft Fragen zur Zukunft von Bundesförderprogrammen für das EV-Laden wie NEVI und CFI auf.
NEVI (National Electric Vehicle Infrastructure Formula Program):
Das NEVI-Programm der US-Bundesbehörde für Fernstraßen (FHWA) ist eine Initiative mit 5 Mrd. $, die von 2022 bis 2026 den Ausbau der Ladeinfrastruktur in den gesamten USA fördert. Im Januar 2025 hatte NEVI Mittel für 1.000 Projekte in 35 Bundesstaaten, DC und Puerto Rico vergeben, insgesamt 615,7 Mio. $ und 204.000 Ladeanschlüsse.
Die anstehenden NEVI-Mittel für das Haushaltsjahr 2026 könnten gestrichen werden, da der Rest bereits den Bundesstaaten zugewiesen ist. Ausgezahlte Mittel ohne Verträge könnten zudem per Kongressbeschluss von der Bundesregierung zurückgefordert werden.
CFI (Charging and Fueling Infrastructure Program):
Das CFI-Programm hatte bereits mehrere Förderrunden und hat 1,9 Mrd. $ der insgesamt 2,5 Mrd. $ vergeben. Auch die auf Projektebene vergebenen CFI-Mittel sind ausgesetzt, wobei einige Zusagen je nach Vertragsstatus stärker gefährdet sein könnten. Jede Kürzung der Mittel könnte Unternehmen und Kommunen, die auf diese Programme angewiesen sind, stark treffen.
Was das für Betreiber bedeutet:
Auch wenn die Bundesförderung unsicher ist, stehen auf Ebene der Bundesstaaten und Energieversorger weiterhin erhebliche Mittel zur Verfügung. Die AMPECO-Plattform erfüllt bereits die Betriebsbedingungen großer bundesstaatlicher Förderprogramme wie CALeVIP, NYSERDA, NJDEP und National Grid.
Betreiber sollten Anträge für Programme der Bundesstaaten und Energieversorger vorziehen, da diese von Kurswechseln der Bundespolitik abgeschirmt sind und besser planbare Förderzeiträume bieten.
AMPECO-Interessenvertretung
Delegierte AFIR-Rechtsakte: Branchenbeitrag zu Datenstandards
AMPECO hat bei der Europäischen Kommission eine formelle Stellungnahme eingereicht, die die Einführung zusätzlicher statischer und dynamischer Datentypen nach Artikel 20 Absatz 2 der AFIR unterstützt. Die erweiterte Datenmeldung stärkt das EV-Ökosystem, denn sie ermöglicht:
- Bessere Interoperabilität zwischen Ladenetzwerken und Plattformen
- Genauere Berichte für Regulierungsbehörden und Investoren
- Effizienteren Infrastrukturausbau und bessere Integration ins Stromnetz
In unserer Stellungnahme haben wir betont, dass die AFIR-Datenanforderungen mit bestehenden Kommunikationsprotokollen wie OCPP 1.6 und OCPP 2.0.1 abgestimmt sein müssen. AMPECOs vollständige Stellungnahme lesen →
RED III Artikel 20a(3): Batteriedaten in Echtzeit teilen
Die überarbeitete Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU (RED III) führt Artikel 20a(3) ein, der Fahrzeughersteller verpflichtet, Echtzeitdaten zur Batterieleistung und zum Fahrzeugstatus bereitzustellen. Zu den wichtigsten Datenpunkten gehören: Gesundheitszustand der Batterie (SoH), Ladezustand (SoC), Leistungssollwert, Batteriekapazität, Fahrzeugstandort (sofern zutreffend).
Diese Parameter sind die Grundlage für Smart Charging, V2G-Technologien und vorausschauende Wartung. Laut den Leitlinien der Europäischen Kommission gilt Artikel 20a(3) ab dem 1. Januar 2025.
Die Position von AMPECO: Ein Teil dieser Daten ist bereits über OCPP-Protokolle verfügbar, für eine vollständige Umsetzung müssen jedoch alle Datenmeldepflichten aus RED III in die OCPP-Spezifikationen aufgenommen werden. So lassen sich Daten über standardisierte CPMS-APIs sicher vom Fahrzeug an CPOs und weiter an die Regulierungsbehörden übertragen.
Irland: Unterstützung der ZEVI-Netzintegrationsstrategie
Zero Emission Vehicles Ireland (ZEVI) hat eine an den AFIR-Vorgaben ausgerichtete Datenstrategie veröffentlicht, die eine wichtige zusätzliche Anforderung einführt: Ladepunkte werden Zählpunktnummern (Meter Point Reference Numbers, MPRNs) zugeordnet, um sie direkt mit dem nationalen Stromnetz zu verknüpfen.
Der vorgeschlagene Ansatz würde es ermöglichen, die Stromnachfrage durch das Laden von Elektrofahrzeugen genau zu beziffern und geografisch zu verorten. Die MPRN-Daten bieten wesentliche Vorteile, darunter eine bessere Kapazitätsplanung für den Netzausbau, optimierte Flexibilitätsmodelle für Energiedienstleistungen, detaillierte technische Bewertungen für neue Ladeinfrastruktur und eine genauere Modellierung der Nachfrage, damit das Stromnetz den künftigen Kapazitätsbedarf deckt und die AFIR-Ziele erreicht werden.
AMPECO hat diesen Ansatz mit seiner Antwort auf die Branchenumfrage von ZEVI unterstützt und dabei den betrieblichen Nutzen standardisierter Daten zur Netzintegration hervorgehoben.
USA: Ladeinfrastruktur für mittelschwere und schwere Nutzfahrzeuge
AMPECO hat beim US-Verkehrsministerium und beim Joint Office of Energy and Transportation eine Stellungnahme zu einem Request for Information über Ladetechnologien und Infrastrukturbedarf für mittelschwere und schwere (MHD) Elektrofahrzeuge eingereicht.
Die Empfehlungen von AMPECO zum Flottenladen für MHD-Fahrzeuge betonen, dass standardisierte Protokolle und eine nahtlose Systemintegration nötig sind, um die Kompatibilität über Ladenetzwerke und Hersteller hinweg sicherzustellen. Sie sprechen sich für fortschrittliche Managementlösungen wie Lastausgleich und Smart Charging aus, ergänzt durch strategisch platzierte Ladestationen in der Nähe von Depots und an Transportrouten.
AMPECOs vollständige Stellungnahme lesen →
Wichtige Fristen für Q1 2025
- 1. Januar 2025: Beginn der Anwendung von Artikel 20a(3) der RED III (Austausch von Batteriedaten)
- 30. Januar 2025: Debatte in der portugiesischen Versammlung der Republik zur Liberalisierung von Mobi.E
- 14. April 2025: Frist für die AFIR-Datenmeldung an nationale Zugangspunkte
- 11. Juni 2025: Stichtag für AFIF-Förderanträge
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