Der Oktober brachte lang erwartete Bestätigungen und neue Marktsignale. Die Generaldirektion Steuern und Zollunion der Europäischen Kommission (DG TAXUD) hat AMPECO direkt bestätigt, dass der EU-One-Stop-Shop (OSS) des ViDA-Pakets ab Januar 2027 für das Laden von Elektrofahrzeugen gilt. Damit ist die letzte Unklarheit über die grenzüberschreitende Umsatzsteuervereinfachung ausgeräumt, über die wir erstmals im März berichtet und zu der wir im Juni eine erste Bestätigung erhalten hatten. Deutschland hat seinen Masterplan Ladeinfrastruktur 2030 veröffentlicht. Das Dokument zeigt beim Genehmigungsverfahren und beim Netzanschluss eine positive Richtung, weckt aber Bedenken wegen starrer Regeln für Blockiergebühren nach AFIR und möglicher Marktverzerrungen durch staatlich finanzierte Ladenetzwerke für Lkw.

In den USA hat Kalifornien AB 1423 in Kraft gesetzt. Das Gesetz streicht die Pflicht zu Kreditkartenlesern an Ladestationen und führt für ältere Stationen Berichtspflichten zur Verfügbarkeit ein. Colorado hat eine neue Förderrunde für DC-Schnellladeparks (DCFC-Plazas) eröffnet, mit regional gestaffelten Zuschüssen und Boni für die Integration von Energiespeichern. Und in Europa zeigt die Verlängerung der Mautbefreiung für emissionsfreie Lkw im Rahmen der Eurovignetten-Richtlinie, dass die Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge (HDV) politisch an Fahrt gewinnt.

Hier lesen Sie, was sich im Oktober geändert hat und was das für Ihren Betrieb bedeutet.

Regulatorische Entwicklungen

Bestätigung der DG TAXUD klärt den ViDA-Umsatzsteuerrahmen für EV-Laden

Die DG TAXUD der Europäischen Kommission hat AMPECO nun direkt bestätigt, was wir seit der Verabschiedung des ViDA-Pakets im März 2025 verfolgen: Ab dem 1. Januar 2027 fallen B2C-Stromlieferungen, einschließlich des öffentlichen Ladens von Elektrofahrzeugen, unter den EU-One-Stop-Shop. Ladestationsbetreiber, die Kunden in mehreren EU-Mitgliedstaaten bedienen, brauchen dann keine separate Umsatzsteuerregistrierung in jedem Land mehr. Sie können die Umsatzsteuer über einen einzigen Mitgliedstaat der Identifizierung erklären und abführen.

Für B2B-Umsätze führt ViDA ein erweitertes Reverse-Charge-Verfahren ein, das ab dem 1. Juli 2028 verpflichtend ist. Ist der Lieferant im Land der Lieferung weder ansässig noch umsatzsteuerlich registriert, geht die Steuerschuld auf den Geschäftskunden über. Das sorgt für ein einheitliches Vorgehen und vermeidet doppelte Registrierungspflichten weitgehend.

Zusammen beseitigen diese Maßnahmen eine der ältesten Verwaltungslasten für grenzüberschreitend tätige Ladestationsbetreiber. Mit dem OSS für den Ladebetrieb und der Angleichung der B2B-Besteuerung über das Reverse-Charge-Verfahren schafft ViDA die Grundlage für einen einheitlichen digitalen Umsatzsteuerrahmen, der zum grenzüberschreitenden E-Mobilitätsmarkt in Europa passt.

Was das für Betreiber bedeutet:

  • Bis zur Frist im Januar 2027 bleiben nur noch rund 14 Monate. Betreiber, die mehrere EU-Märkte bedienen, sollten jetzt mit ihren Steuerberatern festlegen, in welchem Mitgliedstaat sie sich für den OSS registrieren, und ihre Abrechnungssysteme umstellen
  • Das B2B-Reverse-Charge-Verfahren ab Juli 2028 vereinfacht Roaming-Vereinbarungen, wenn E-Mobilitätsanbieter (eMSP) und Ladestationsbetreiber (CPO) grenzüberschreitend tätig sind
  • Weitere Leitlinien der DG TAXUD werden in Kürze erwartet. AMPECO steht in laufendem Austausch, damit praktische Fragen des Betriebs berücksichtigt werden

Niederländischer NAP in Betrieb, nationaler Rahmen für öffentliches Laden gestärkt

Die Niederlande bauen ihre Infrastruktur für die AFIR-Konformität weiter aus. NKL Basisset AC, die nationale technische und vertragliche Grundlage für öffentliches AC-Laden, hat mit dem Update 2025 v1.0 die Vorgaben zu Netzauswirkungen, Datenaustausch und Cybersicherheit verschärft. Anforderungen an Kreislauffähigkeit und vollständige Barrierefreiheit sollen folgen, sobald sich die EU- und nationalen Regeln weiterentwickeln. Der Standard dient als Referenz für Ausschreibungen und Konzessionen und ist auf die AFIR und die Interoperabilitätsnorm ISO 15118-20 abgestimmt.

DOT-NL, der im April gestartete niederländische nationale Zugangspunkt (NAP), wird weiterhin vom Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft betrieben. Betreiber müssen statische Daten (Standort, Steckertyp) und dynamische Daten (Verfügbarkeit, Status) fortlaufend über das OCPI-Protokoll (Open Charge Point Interface) veröffentlichen. Die Plattform bündelt die Daten der Betreiber und stellt sie frei zur Verfügung, um transparente Analysen und Innovation zu ermöglichen.

Was das für Betreiber bedeutet:

  • CPOs mit öffentlichen Ladepunkten in den Niederlanden, die noch nicht angebunden sind, sollten sich umgehend an den NDW-Servicedesk wenden. Die Konformität verlangt eine fortlaufende, automatisierte Datenveröffentlichung statt einmaliger Meldungen
  • Der Standard NKL Basisset AC wird die Ausschreibungsanforderungen niederländischer Kommunen zunehmend bestimmen. Betreiber sollten ihre technischen und vertraglichen Rahmenwerke an seinen Vorgaben ausrichten
  • Die ausgereifte NAP-Umsetzung der Niederlande ist ein Referenzmodell dafür, wie die AFIR-Datenpflichten in anderen Mitgliedstaaten in der Praxis funktionieren werden

Deutschlands Masterplan Ladeinfrastruktur 2030 sendet gemischte Signale

Deutschland hat seinen Masterplan Ladeinfrastruktur 2030 veröffentlicht. Das Strategiepapier hat großes Gewicht, denn Deutschland ist der größte EV-Markt der EU und ein einflussreicher Mitgliedstaat.

Positiv ist, dass der Plan seit Langem bestehende Probleme der Betreiber angeht. Die regulatorische Vereinfachung verspricht weniger Bürokratie, bessere Bau- und Stellplatzvorschriften und schnellere Genehmigungen für neue Ladepunkte. Für schnellere Netzanschlüsse sagt der Plan mehr Digitalisierung, Transparenz und zügigere Verfahren zu, was besonders für Standorte mit hoher Ladeleistung wertvoll ist. Steuerliche Entlastungen für die Netzeinspeisung öffnen den Weg für fortschrittliche Geschäftsmodelle im Energiemanagement. Ein zentrales Register für Preistransparenz und Reservierungsfunktionen für Lkw und Busse verbessern die Markttransparenz. Auch die geplante Vereinfachung der Messvorgaben und das Vorgehen gegen Kabeldiebstahl sind zu begrüßen.

Der Plan enthält jedoch Positionen, die laufenden EU-Initiativen entgegenstehen und Risiken bergen. Deutschlands vorgeschlagener Ansatz zu Blockiergebühren nach AFIR gilt als zu starr und könnte den Mitgliedstaaten die Flexibilität nehmen, auf lokale Marktbedingungen einzugehen. Pläne für staatlich finanziertes Lkw-Laden bergen das Risiko staatlich betriebener Netzwerke, die den Wettbewerb verzerren und private Investitionen im HDV-Segment verringern könnten. Und allgemeine Haushaltsunsicherheiten lassen fraglich erscheinen, ob die Ziele des Plans auch umgesetzt werden.

Was das für Betreiber bedeutet:

  • Werden die Verbesserungen bei Genehmigungen und Netzzugang umgesetzt, verkürzen sie die Ausbauzeiten in Deutschland deutlich. Betreiber sollten die Folgegesetzgebung verfolgen, die diese Zusagen in die Praxis überführt
  • Der Ansatz zu Blockiergebühren könnte Betreibern mit europaweiten Preisstrategien die Einhaltung erschweren. Beobachten Sie, wie er mit der AFIR auf EU-Ebene zusammenwirkt
  • Die Ausrichtung auf staatlich finanziertes Lkw-Laden verstärkt die Spannungen im Marktdesign, auf die wir im September bei Deutschlands HDV-Ausschreibung mit Pass-Through-Modell hingewiesen haben
  • CPOs mit Geschäft in Deutschland sollten sich über Branchenverbände einbringen, um die Umsetzung der umstritteneren Teile des Masterplans mitzugestalten

Kaliforniens AB 1423 ändert die Regeln für Bezahlung und Zuverlässigkeit beim EV-Laden

Kaliforniens AB 1423, im Oktober 2025 in Kraft gesetzt, bringt eine deutliche regulatorische Wende. Das Gesetz verpflichtet die California Energy Commission, Standards für die Aufzeichnung und Meldung der Verfügbarkeit von Ladestationen zu entwickeln, die zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 1. Januar 2024 installiert wurden. Damit gelten Zuverlässigkeitspflichten auch für ältere Infrastruktur, die der endgültige Zuverlässigkeitsrahmen, über den wir im August berichtet haben, nicht abdeckt. Stationen müssen Kunden klar über Verfügbarkeit und Zugänglichkeit informieren. Bei Zuverlässigkeitsmängeln drohen Strafen von bis zu 2.500 USD pro Verstoß.

Die für den Betrieb wichtigste Bestimmung ist der Wegfall der Pflicht zu Kreditkartenlesern an Ladestationen. Das senkt die Installationskosten und vereinfacht das Laden. Der Gesetzgeber erkennt damit pragmatisch an, dass App-basierte und kontaktlose Zahlungen heute von den Nutzern bevorzugt werden.

Was das für Betreiber bedeutet:

  • Für Stationen, die zwischen 2018 und 2024 installiert wurden, gelten neue Berichtspflichten zur Verfügbarkeit. Prüfen Sie, welche Anlagen in diesen Zeitraum fallen, und bereiten Sie die Systeme zur Datenerfassung vor
  • Der Wegfall der Kreditkartenleser senkt die Hardwarekosten neuer Installationen und kann Betreibern erlauben, ihre bestehende Zahlungsinfrastruktur zu vereinfachen
  • Strafen von 2.500 USD pro Verstoß sind ein ernstes Durchsetzungsrisiko für Betreiber mit schwacher Zuverlässigkeitsbilanz

Europa beschleunigt den Umstieg auf emissionsfreie Lkw durch Mautbefreiungen

Der Herstellerverband ACEA begrüßte, dass die EU die Mautbefreiung für emissionsfreie Lkw und Busse nach der Eurovignetten-Richtlinie verlängert hat. Sie ist eines der wenigen fiskalischen Instrumente, die die Betriebskosten elektrischer Flotten direkt senken. Die Verlängerung gibt den Mitgliedstaaten mehr Zeit, vollständige oder teilweise Befreiungen anzuwenden.

Branchenvertreter fordern neben fiskalischen Maßnahmen auch strukturelle Reformen. Jüngste Fachgespräche in Brüssel deuten auf ein koordiniertes Vorgehen auf EU-Ebene hin: Netztransparenz durch einheitliche Kapazitätskarten, kürzere Anschlusszeiten durch flexible Netzanschlussvereinbarungen, Energieflexibilität mit Anreizen für Batteriespeicher und Lastmanagement an Ladestandorten, Reformen zur Vereinfachung der Genehmigungsverfahren, steuerliche Einheitlichkeit ohne Doppelbesteuerung von Speichern und weitere Förderung für Korridore für schwere Nutzfahrzeuge bis 2026.

Was das für Betreiber bedeutet:

  • Mautbefreiungen verbessern die Gesamtbetriebskosten (TCO) elektrischer Lkw und stärken so die Nachfrage nach Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge
  • Der koordinierte Vorstoß für Netztransparenz, flexible Netzanschlussvereinbarungen und Genehmigungsreformen geht die strukturellen Hürden an, die wir in mehreren Ausgaben verfolgt haben. Betreiber sollten diese Vorschläge beobachten, denn sie werden die Wirtschaftlichkeit des HDV-Ladeausbaus prägen

Förderprogramme und Anreize

CALeVIP verlängert die FCCP-Antragsfrist bis zum 29. Januar 2026

Die California Energy Commission und das Center for Sustainable Energy (CSE) haben die Frist des Fast Charge California Project (FCCP) bis zum 29. Januar 2026 verlängert. Sie reagieren damit auf Rückmeldungen der Branche zu Verzögerungen bei Genehmigungen, Netzanschluss und Abstimmung mit den Versorgern. AMPECO-Kunden, die als berechtigte Netzwerkanbieter teilnehmen möchten, sollten beachten, dass das CSE direkt mit jedem AMPECO-Kunden eine Vereinbarung zur Datenweitergabe schließt. Interessenten füllen dazu das offizielle Aufnahmeformular des CSE aus.

Colorado eröffnet neue Förderrunde für DCFC-Plazas mit Speicherboni

Das Colorado Energy Office hat eine neue Antragsrunde für sein DCFC Plazas Program gestartet. Es kombiniert Mittel aus NEVI und dem Community Access Enterprise mit regional gestaffelten Zuschüssen. Im Großraum Denver mit sieben Countys gibt es bis zu 75.000 USD pro Ladepunkt bei höchstens 50 % der Projektkosten, in städtischen Gebieten der Front Range bis zu 100.000 USD pro Ladepunkt bei 65 % und in ländlichen Gebieten bis zu 125.000 USD pro Ladepunkt bei 80 %. Jeder Standort braucht mindestens vier DC-Schnellladepunkte mit 150 kW oder mehr.

Höhere Zuschüsse gibt es für die Integration von Energiespeichern: 25.000 USD pro Standort für batterieintegrierte Speicher und 45.000 USD pro Standort für eigenständige Speicher ab 90 kWh. Die Einreichungsfrist endet am 5. Dezember 2025.

Was das für Betreiber bedeutet:

  • Mit 125.000 USD pro Ladepunkt und 80 % Kostenübernahme werden bisher grenzwertige ländliche Standorte wirtschaftlich tragfähig. Betreiber sollten ländliche Korridore in Colorado für den Ausbau prüfen
  • Die Boni für Speicherintegration zeigen, dass Colorado auf netzstabile Ladeinfrastruktur setzt. Betreiber mit Batteriespeichern haben in diesem Programm einen Wettbewerbsvorteil
  • Die Frist am 5. Dezember ist knapp. Interessierte Betreiber sollten sofort mit dem Antrag beginnen

Indiana treibt die Initiative Charging the Crossroads voran

Das Verkehrsministerium von Indiana (INDOT) meldet Fortschritte bei seinem NEVI-finanzierten Leitprogramm. Nach den überarbeiteten Leitlinien der FHWA vom August laufen nun die Vertragsverfahren für die 2024 angekündigten bedingten Zuschläge. Der aktualisierte Bundesrahmen lässt den Bundesstaaten mehr Spielraum und beseitigt Verwaltungshürden, die den Ausbau bisher gebremst haben. Weitere Details zu den nächsten Phasen folgen auf der Website von Charging the Crossroads.

Engagement von AMPECO

Take-Charge-Kampagne wächst auf über 200 Unterzeichner für das EU-Ziel 2035

Die Kampagne Take Charge ist seit dem ersten Brief im September gewachsen. Der CEO von AMPECO gehört nun zu den über 200 Führungskräften aus den Bereichen Elektromobilität, Laden und Clean Tech, die den offenen Brief an Kommissionspräsidentin von der Leyen unterzeichnet haben. Die von E-Mobility Europe und ChargeUp Europe koordinierte Kampagne fordert die EU weiterhin auf, am Ziel einer CO₂-Reduktion um 100 % für neue Pkw und Transporter bis 2035 festzuhalten, gestützt durch eine starke Industriepolitik, verlässliche Kaufanreize und schnellere Investitionen in das Ladenetz.

Wichtige Termine und Fristen

  • 5. Dezember 2025: Einreichungsfrist für die DCFC Plazas in Colorado
  • 9. Januar 2026: Frist für CALSTART Communities in Charge, Wave 4
  • 29. Januar 2026: verlängerte Antragsfrist für CALeVIP FCCP
  • 1. Januar 2026: Kaliforniens Verfügbarkeitspflicht von 97 % tritt in Kraft
  • 8. Januar 2026: ISO-15118-2-Konformität für neu installierte öffentliche Ladestationen
  • 14. April 2026: Meldefrist für DATEX II
  • 1. Januar 2027: ViDA-OSS gilt für B2C-EV-Laden
  • 1. Juli 2028: ViDA-B2B-Reverse-Charge-Verfahren tritt in Kraft

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Author

Ivelina Kadiri

Policy Compliance Manager

About the author

Ivelina ist eine trendorientierte Policy-Compliance-Managerin, die sich souverän im komplexen regulatorischen Umfeld bewegt und die Brücke zwischen den Zielen für nachhaltigen Verkehr und ihrer konkreten Umsetzung schlägt.