Nach Monaten mit Entwürfen, Konsultationen und Branchendebatten sind die delegierten Rechtsakte und Durchführungsrechtsakte zur AFIR offiziell veröffentlicht. Am 3. April legte die Europäische Kommission die finalen technischen Anforderungen vor. Sie regeln, wie Ladestationsbetreiber (CPO) Daten melden, Kommunikationsstandards umsetzen und sich in der gesamten EU an die nationalen Infrastrukturregister anbinden. Auf diesen regulatorischen Moment bereitet sich die Branche vor, seit wir im Januar erstmals über die Entwürfe der Anforderungen berichtet und im Februar die Reaktion mit OCPI 2.3 verfolgt haben.

Die Veröffentlichung beantwortet mehrere offene Fragen: ISO 15118-20 ist ab Januar 2027 verpflichtend, DATEX II wird ab April 2026 zum vorgeschriebenen Datenformat, und die Definitionen von „installiert“ und „renoviert“, die festlegen, welche Ladestationen unter die neuen Regeln fallen, stehen nun offiziell fest. Gleichzeitig sind Irland und die Niederlande von der Planung zur Umsetzung übergegangen: Beide haben ihre nationalen Zugangspunkte gestartet und binden CPOs für den AFIR-konformen Datenaustausch an.

Auf der anderen Seite des Atlantiks nahm AMPECO gemeinsam mit CharIN und Branchenpartnern an 20 überparteilichen Gesprächen mit Kongressbüros auf dem Capitol Hill teil, da die Programme 30C, 30D und NEVI im Zuge der Haushaltsabstimmung (Budget Reconciliation) zurückgefahren werden könnten.

Hier erfahren Sie, was sich im April geändert hat und was das für Ihren Betrieb bedeutet.

Regulatorische Entwicklungen

Delegierte und Durchführungsrechtsakte zur AFIR veröffentlicht

Am 3. April veröffentlichte die EU-Kommission die finalen technischen Anforderungen der AFIR. Es ist der folgenreichste regulatorische Meilenstein für Ladedaten von Elektrofahrzeugen (EV) seit dem Inkrafttreten der AFIR selbst. Frühere Ausgaben behandelten die Entwürfe der Rechtsakte und das Feedback der Branche; die veröffentlichten Fassungen sind nun rechtsverbindlich und legen verbindliche Fristen fest.

Die Rechtsakte schaffen einen umfassenden Rahmen in fünf Bereichen.

Erweiterte Anforderungen an statische und dynamische Daten

Die finalen delegierten Rechtsakte konkretisieren und verfeinern die Datenpflichten deutlich, die die AFIR nur in groben Zügen umrissen hatte. CPOs, die öffentlich zugängliche Ladepunkte betreiben, müssen künftig zwei Kategorien von Daten bereitstellen. Statische Daten umfassen Unternehmensangaben, Serviceinformationen, den geografischen Standort, die Kompatibilität mit Fahrzeugtypen und zulässige Fahrzeugmaße, die Zahl der Stellplätze einschließlich der Plätze für Menschen mit Behinderungen, Zahlungsinformationen und Angaben zu den Steckern. Dynamische Daten umfassen den Betriebsstatus, die Verfügbarkeit in Echtzeit und die Preise für Ad-hoc-Zahlungen. Dieser detaillierte Ansatz sorgt für ein transparentes, nutzerfreundliches Ladeerlebnis und gibt Behörden und Dienstleistern zugleich die Informationen, die sie brauchen, um die Leistung der Infrastruktur zu überwachen und zu verbessern.

Datenaustausch mit nationalen Zugangspunkten

Für einen harmonisierten und einheitlichen Datenaustausch muss jeder Betreiber öffentlich zugänglicher Ladepunkte eine API einrichten, die freien und uneingeschränkten Zugang zu den geforderten Daten bietet, und Angaben zu dieser API an seinen nationalen Zugangspunkt (NAP) übermitteln. CPOs können diese APIs selbst entwickeln oder eine Protokolllösung nutzen, die von relevanten Marktakteuren einschließlich Drittanbietern entwickelt wurde. Diese Flexibilität ist wichtig: Betreiber sind nicht an einen einzigen technischen Ansatz gebunden, und CPMS-Plattformen wie AMPECO können als Integrationsschicht zwischen CPOs und NAPs dienen.

Definitionen von „installiert“ und „renoviert“

Die Rechtsakte definieren zwei Begriffe offiziell, die festlegen, welche Ladestationen unter die neuen Anforderungen fallen. „Installiert“ bezeichnet die erstmalige Aufstellung der gesamten relevanten Ladepunktausrüstung: Hardware, Software und zugehörige elektrische Infrastruktur einschließlich Netzanschlüssen, Transformatoren und weiterer elektrischer Anlagen. „Renoviert“ bezeichnet einen umfassenden oder vollständigen Austausch der relevanten Ladepunktausrüstung. Diese Definitionen sind entscheidend, weil sie die Schwelle festlegen, ab der bestehende Infrastruktur neue Standards erfüllen muss und bis zu der sie unter den bisherigen Regeln Bestandsschutz genießt.

Einführung von ISO 15118-2 und ISO 15118-20

Alle öffentlich zugänglichen AC- und DC-Ladepunkte für leichte und schwere Elektrofahrzeuge, die ab sechs Monaten nach Inkrafttreten des delegierten Rechtsakts installiert oder renoviert werden, müssen ISO 15118-2 erfüllen. Ab dem 1. Januar 2027 müssen alle installierten oder renovierten öffentlich zugänglichen AC- und DC-Ladepunkte aus Gründen der Interoperabilität ISO 15118-20:2022 erfüllen. Dieser zweistufige Ansatz verschafft der Branche ein Übergangsfenster und setzt zugleich eine feste Frist für den fortschrittlicheren Standard.

DATEX II für die Datenmeldung

Ab dem 14. April 2026 müssen CPOs alle in Artikel 20 Absatz 2 der AFIR-Verordnung genannten Daten im DATEX-II-Format bereitstellen, nach dem Datenmodell für alternative Kraftstoffe und mindestens nach der Norm CEN/TS 16157-10:2022. DATEX II ist ein europäischer Standard, der den Austausch von Verkehrs- und Reiseinformationen zwischen verschiedenen Systemen und Ländern erleichtert. Im Kern ist es eine gemeinsame digitale Sprache, mit der Straßenbehörden, Navigations-Apps und Verkehrsdienste Daten austauschen, von der Verkehrslage bis zur Verfügbarkeit von Ladestationen. Auch wenn sich DATEX II noch in der letzten Entwicklungsphase befindet, wird der Standard Behörden und Dienstleistern die genauen Echtzeitdaten liefern, die sie zur Optimierung von Verkehrslösungen brauchen.

Was das für Betreiber bedeutet:

  • Die Veröffentlichung beendet die Unsicherheit, die wir seit Januar verfolgen: CPOs haben jetzt verbindliche Anforderungen und Fristen, mit denen sie planen können
  • Bis zur Frist für ISO 15118-20 im Januar 2027 bleiben rund 20 Monate, um sicherzustellen, dass alle neuen und renovierten Anlagen konform sind
  • Die Frist für DATEX II im April 2026 ist näher, als vielen Betreibern bewusst ist. CPOs sollten ihre Dateninfrastruktur und die Fähigkeiten ihres CPMS schon jetzt prüfen
  • Dank des flexiblen API-Ansatzes für die NAP-Anbindung können Betreiber ihre bestehende CPMS-Plattform nutzen, statt eigene Integrationen zu entwickeln
  • Die Definitionen von „installiert“ und „renoviert“ ziehen eine klare Grenze zwischen Bestandsinfrastruktur und neuen Pflichten. Betreiber sollten ihr Portfolio prüfen, um zu wissen, welche Anlagen betroffen sind

Irland startet AFIR-Datenmeldung über die Data Exchange Platform

Transport Infrastructure Ireland (TII) ist die staatliche Stelle, die AFIR-Daten von CPOs verwaltet und IDRO-Nummern vergibt, das EU-System zur Kennzeichnung von CPOs und E-Mobilitätsanbietern (eMSP). Für die Anbindung müssen CPOs eine OCPI-2.2.1-Verbindung aufbauen, die über das Onboarding-Programm von TII für die Data Exchange Platform (DXP) läuft. Dazu gehören gemeinsame Tests und Validierungen, damit die Datenverbindungen die geforderten Standards erfüllen.

CPOs, die in Irland tätig sind, sollten sich an [email protected] wenden, um sich bei IDRO zu registrieren und das DXP-Onboarding zu starten. TII schickt ein Registrierungsformular. Wer Daten über die DXP an den NAP übermitteln möchte, muss zusätzliche technische Angaben machen, damit die OCPI-Verbindung eingerichtet werden kann.

Was das für Betreiber bedeutet:

  • Irland setzt auf OCPI 2.2.1 und folgt damit der Protokollrichtung, die wir im Februar in unserer Analyse zu OCPI 2.3 beschrieben haben
  • Das Onboarding läuft gemeinsam mit TII und nicht im Self-Service. CPOs sollten mit einer Test- und Validierungsphase rechnen
  • Betreiber, die in Irland aktiv sind, sollten jetzt Kontakt mit TII aufnehmen, um Engpässe zu vermeiden, wenn weitere CPOs mit dem Onboarding beginnen

Niederländisches AFIR-Meldeportal geht live

Mitte April ging DOT-NL als nationaler Zugangspunkt für EV-Daten an den Start, betrieben von der Nationale Agenda Laadinfrastructuur (NAL) gemeinsam mit dem Ministerie van Infrastructuur en Waterstaat. CPOs müssen sich an die NAP-Schnittstelle anbinden und sicherstellen, dass alle Daten gemäß den veröffentlichten Spezifikationen über OCPI 2.2.1 bereitgestellt werden.

Das Portal gibt EV-Fahrern in den Niederlanden und im übrigen Europa Einblick in Ladestandorte, Ad-hoc-Preise und die Verfügbarkeit in Echtzeit. Die vollständige Dokumentation ist über das NDW-Datenaustauschportal verfügbar, weitere Unterstützung bietet der NDW-Servicedesk.

Was das für Betreiber bedeutet:

  • Die Niederlande gehören zu den ersten EU-Mitgliedstaaten mit einem voll funktionsfähigen NAP. CPOs in diesem Markt sollten die Anbindung vorrangig angehen
  • Die Vorgabe OCPI 2.2.1 entspricht dem Ansatz Irlands und festigt dieses Protokoll als praktischen Standard für die AFIR-Konformität
  • Daten müssen laufend veröffentlicht und nicht einmalig übermittelt werden. Betreiber brauchen automatisierte, dauerhafte Verbindungen statt manueller Meldungen

Förderung und Anreize

AFIF: Frist am 11. Juni beachten

Ladestationsbetreiber sollten ihre Projektanträge für den nächsten AFIF-Stichtag am 11. Juni 2025 vorbereiten. Wie wir im Februar ausgeführt haben, vergab die letzte AFIF-Runde 422 Mio. € für Schnellladeinfrastruktur entlang der TEN-V-Korridore, mit einer deutlichen Verschiebung hin zum Laden schwerer Nutzfahrzeuge und zu MCS-Steckern. Die Frist im Juni ist eine weitere Gelegenheit, Fördermittel ohne Abgabe von Unternehmensanteilen für strategisch gut gelegene Infrastruktur zu sichern.

US-Förderprogramme der Versorger bleiben der verlässlichste Weg

Während die NEVI-Bundesmittel weiterhin eingefroren sind, laufen die von Energieversorgern verwalteten Ladeprogramme normal weiter und bieten Betreibern die am besten planbaren Zeitrahmen, vor allem für Projekte in Wohngebäuden und Mehrfamilienhäusern. AMPECO ist weiterhin als zugelassener Ladenetzwerkanbieter bei CALeVIP, NYSERDA Charge Ready 2.0 und auf der Vetted Product List von EPRI gelistet, die mehr als 20 Versorgerprogramme abdeckt.

AMPECO-Interessenvertretung

AMPECO beim ersten Capitol-Hill-Fly-in von CharIN

Am 9. April kam AMPECO gemeinsam mit CharIN und einem Bündnis führender Unternehmen der EV-Branche in Washington, D.C. zu hochrangigen Gesprächen mit Kongressbüros zusammen, beim ersten Capitol-Hill-Fly-in des Verbands. Unser Team nahm an 20 überparteilichen Gesprächen mit Büros und Ausschüssen des US-Repräsentantenhauses und des Senats teil, um sich für den Erhalt zentraler Förderinstrumente für das EV-Laden einzusetzen.

Der Zeitpunkt ist entscheidend. Während der Kongress über ein großes Haushaltspaket (Budget Reconciliation) zur Senkung der Bundesausgaben berät, stehen mehrere grundlegende EV-Förderprogramme auf dem Prüfstand, insbesondere die mit dem Inflation Reduction Act eingeführten.

Die Steuergutschrift 30C fördert den Aufbau von Ladeinfrastruktur, indem sie 30 % der förderfähigen Projektkosten übernimmt, bis zu 100.000 $ pro Ladestation. Dieser Anreiz hilft Betreibern maßgeblich, das Risiko der Anfangsinvestitionen zu senken, und ist in vielen Fällen der entscheidende Mechanismus, der Standorte für öffentliches Laden wirtschaftlich tragfähig macht, besonders in Gebieten mit weniger Verkehr. Die Steuergutschrift 30D stärkt die Nachfrageseite mit bis zu 7.500 $ pro neuem E-Auto, aufgeteilt in 3.750 $ für Fahrzeuge, die die Vorgaben zur Herkunft kritischer Batterierohstoffe erfüllen, und 3.750 $ für Fahrzeuge, die die Vorgaben zur Herkunft von Batteriekomponenten erfüllen. Bleibt 30D bestehen, trägt das zu einer stabilen Verbreitung von Elektrofahrzeugen bei, was wiederum die Auslastung und Wirtschaftlichkeit der Ladeinfrastruktur sichert.

NEVI ist dagegen bereits vollständig genehmigt und finanziert: Der Kongress hat sowohl die rechtliche Grundlage als auch die Mittel bereitgestellt, die Verteilung erfolgt über die Verkehrsministerien der Bundesstaaten. Trotzdem droht NEVI im Rahmen der Haushaltsabstimmung eine teilweise Rückforderung. Abgeordnete verweisen auf den langsamen Mittelabfluss und die geringe sichtbare Wirkung als Gründe, nicht verausgabte Mittel womöglich zurückzuholen, obwohl die Verzögerungen oft auf Engpässe bei Genehmigungen und Vergaben auf Ebene der Bundesstaaten zurückgehen und nicht auf Schwächen im Programmdesign.

Was das für Betreiber bedeutet:

  • Die Steuergutschrift 30C entscheidet bei Standorten für öffentliches Laden oft darüber, ob sich ein Projekt rechnet. Eine Abschaffung würde die Wirtschaftlichkeit des Ausbaus spürbar beeinträchtigen
  • Der rechtliche Schutz von NEVI ist stark, nach den Regeln der Haushaltsabstimmung aber nicht absolut. Betreiber mit Projekten, die von NEVI-Mitteln abhängen, sollten die Beratungen im Kongress genau verfolgen
  • Branchenweite Bündnisse sind unerlässlich, damit die Sicht des Lade-Ökosystems in den Haushaltsverhandlungen Gehör findet

Runder Tisch von CPOs und VNBs zu Netzfragen

Am 1. April nahm AMPECO am gemeinsamen Runden Tisch von ChargeUp Europe und Eurelectric teil, der sich mit den gemeinsamen Herausforderungen von Verteilnetzbetreibern (VNB) und Ladestationsbetreibern beim Aufbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Europa befasste. Die Diskussion brachte Führungskräfte der Branche, politische Entscheidungsträger und Regulierungsbehörden zusammen, um gemeinsame Hürden beim Ausbau der Ladeinfrastruktur anzugehen. AMPECO brachte praktische Erfahrungen zu Interoperabilität, Netzintegration und Datentransparenz ein, also zu Bereichen, in denen CPMS-Plattformen eine zentrale Rolle für einen besser abgestimmten Infrastrukturausbau spielen.

AMPECO erneut zum Vize-Vorsitz im Policy Committee von ChargeUp Europe gewählt

AMPECO wurde erneut zum stellvertretenden Vorsitz des Policy Committee von ChargeUp Europe gewählt. Damit setzt AMPECO seine Arbeit fort, die politischen Prioritäten des Verbands in konkrete Maßnahmen zu übersetzen und ein regulatorisches Umfeld zu fördern, das das Wachstum der Ladebranche in ganz Europa unterstützt.

Wichtige Termine und Fristen

  • 11. Juni 2025: Antragsfrist für AFIF-Fördermittel
  • 28. Juni 2025: Der European Accessibility Act tritt in Kraft
  • Oktober 2025 (sechs Monate nach Veröffentlichung): ISO 15118-2 wird für neu installierte oder renovierte öffentliche Ladestationen Pflicht
  • 14. April 2026: Frist für die Datenmeldung im DATEX-II-Format
  • 1. Januar 2027: ISO 15118-20 wird für neu installierte oder renovierte öffentliche Ladestationen Pflicht

Brauchen Sie Unterstützung bei der AFIR-Konformität, der NAP-Integration oder der Vorbereitung auf DATEX II? Das AMPECO-Team für Regulierungsfragen bietet maßgeschneiderte Beratung und technische Unterstützung bei der Umsetzung für CPOs in Märkten weltweit.
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Author

Ivelina Kadiri

Policy Compliance Manager

About the author

Ivelina ist eine trendorientierte Policy-Compliance-Managerin, die sich souverän im komplexen regulatorischen Umfeld bewegt und die Brücke zwischen den Zielen für nachhaltigen Verkehr und ihrer konkreten Umsetzung schlägt.