Was ist Peer-to-Peer-EV-Roaming (P2P)?

Peer-to-Peer (P2P) EV-Roaming ist eine direkte Verbindung zwischen einem Ladestationsbetreiber (CPO) und einem E-Mobilitätsanbieter (eMSP), über die Fahrer von Elektrofahrzeugen (EV) ohne Roaming-Hub Ladestationen in anderen Netzwerken nutzen können. Es wird auch als bilaterales oder direktes Roaming bezeichnet.

Die beiden Parteien schließen eine eigene Roaming-Vereinbarung und tauschen Ladeinformationen direkt aus, in der Regel über das Protokoll OCPI (Open Charge Point Interface).

Wie funktioniert Peer-to-Peer-EV-Roaming?

Beim P2P-Roaming verbinden CPO und eMSP ihre Plattformen direkt, um die Informationen auszutauschen, die für das EV-Laden benötigt werden.

Der Ablauf umfasst vier Schritte:

  1. Verbindung herstellen: CPO und eMSP einigen sich auf die kommerziellen Bedingungen und verbinden ihre Plattformen über ein Roaming-Protokoll wie OCPI.
  2. Ladeinformationen teilen: Der CPO stellt Informationen zu Standorten, Verfügbarkeit und Tarifen seiner Ladestationen bereit.
  3. Ladevorgänge autorisieren: Der eMSP übermittelt dem CPO die Lade-IDs seiner Fahrer, etwa RFID-Karten oder App-Konten. Je nach Konfiguration autorisiert die Plattform des CPO den Ladevorgang anhand dieser Liste, fragt in Echtzeit beim eMSP nach, oder der eMSP startet den Ladevorgang per Fernzugriff aus seiner App.
  4. Ladedaten austauschen: Nach dem Laden sendet der CPO für jeden Ladevorgang einen Ladedatensatz (CDR, Charge Detail Record), den die Parteien für Abrechnung und Zahlungsausgleich nutzen.

Bei der Einrichtung tauschen die beiden Plattformen Zugangsdaten aus und einigen sich auf eine OCPI-Version, die beide unterstützen. Da die Version pro Verbindung vereinbart wird, kann ein Partner bei OCPI 2.2.1 bleiben, während ein anderer auf 2.3.0 umsteigt, die aktuelle Version, veröffentlicht im Februar 2025.

Peer-to-Peer-Roaming vs. Roaming-Hubs

CPOs und eMSPs können ihre Ladenetzwerke auf zwei Arten verbinden: direkt über P2P-Roaming oder über einen Roaming-Hub, einen Vermittler, der viele Partner über eine einzige Verbindung verknüpft.

AspektPeer-to-Peer-RoamingRoaming-Hub
VerbindungDirekte Verbindung zwischen CPO und eMSPVerbindung über einen Vermittler
VereinbarungenSeparate Vereinbarung mit jedem PartnerPartnervereinbarungen werden oft weiterhin einzeln geschlossen, über die Plattform des Hubs
KontrolleMehr Kontrolle über die PartnerbeziehungenVereinfachter Zugang zu mehreren Partnern
WartungJede Verbindung muss einzeln gepflegt werdenEine einzige Verbindung zum Hub
GebührenKeine Gebühren für einen vermittelnden HubHub-Gebühren können anfallen

Welche Vorteile bietet Peer-to-Peer-EV-Roaming?

Für CPOs und eMSPs sind die wichtigsten Vorteile:

  • Mehr Kontrolle: Die Partner verhandeln ihre eigenen Tarife, kommerziellen Bedingungen und betrieblichen Vereinbarungen.
  • Direkter Datenaustausch: Standorte, Tarife, Fahrer-IDs und CDRs gehen direkt zwischen den beiden Plattformen hin und her, sodass jede Seite nur mit einem Gegenüber zu tun hat.
  • Gezielte Partnerschaften: Betreiber entscheiden selbst, welche Partner eine direkte Verbindung erhalten.
  • Keine Hub-Gebühren: Direkte Verbindungen vermeiden die Gebühren eines vermittelnden Hubs, Kosten für Integration und Wartung fallen aber weiterhin an.

Der Nachteil ist die Skalierung. Jeder weitere Partner erfordert eine eigene Vereinbarung und eine eigene technische Verbindung, sodass der Aufwand für Integration und Wartung mit jedem neuen Partner wächst. Manche Betreiber halten direkte P2P-Verbindungen zu einigen wenigen Partnern und erreichen alle übrigen über einen Roaming-Hub.

Wie AMPECO Peer-to-Peer-EV-Roaming unterstützt

Die EV-Ladeplattform von AMPECO unterstützt direkte P2P-Verbindungen über OCPI zu bevorzugten Netzwerken sowie Integrationen mit den Roaming-Hubs Hubject und Gireve.

Die unterstützten Hubs und Verbindungsoptionen finden Sie auf der EV-Roaming-Seite von AMPECO.

Verwandte Begriffe

Häufig gestellte Fragen

Benötigen Sie für EV-Roaming einen Roaming-Hub?

Nein. CPOs und eMSPs können sich direkt über P2P-Roaming verbinden, in der Regel über OCPI. Ein Roaming-Hub ist eine Alternative, über die ein Betreiber viele Partner mit einer einzigen Verbindung erreicht, statt mit jedem eine eigene Integration aufzubauen und zu pflegen.

Ist P2P-Roaming dasselbe wie OCPI?

Nein. P2P-Roaming ist eine Art, Ladeplattformen miteinander zu verbinden, während OCPI ein Kommunikationsprotokoll für den Informationsaustausch zwischen ihnen ist. OCPI unterstützt sowohl direkte P2P-Verbindungen als auch Hub-basiertes Roaming; das Routing über Hubs kam mit Version 2.2 hinzu.

Wie werden Zahlungen beim P2P-EV-Roaming abgewickelt?

CPO und eMSP regeln ihre finanzielle Beziehung direkt. Ladedatensätze (CDRs) werden über die Roaming-Verbindung ausgetauscht, während Rechnungsstellung, Zahlungsbedingungen und Zahlungsausgleich ihrer bilateralen Vereinbarung folgen. In der Regel stellt der CPO dem eMSP die Ladevorgänge von dessen Fahrern in Rechnung, und der eMSP rechnet mit seinen eigenen Fahrern ab.

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