OPCP (Open Plug & Charge Protocol) ist ein offenes Protokoll, das Hubject im Februar 2022 veröffentlicht hat. Es standardisiert die Kommunikation zwischen Backend-Diensten, die ISO 15118 Plug & Charge unterstützen. OPCP definiert Schnittstellen für Zertifikatspools, Zertifikatsbereitstellungsdienste und weitere Funktionen, die für die Verwaltung digitaler Zertifikate über verschiedene Systeme für Plug & Charge hinweg nötig sind. So verbindet es Fahrzeughersteller, Ladestationsbetreiber (CPOs), E-Mobilitätsanbieter (eMSPs) und PKI-Betreiber.

Wie unterstützt OPCP Plug & Charge?

Mit Plug & Charge starten Fahrer von Elektrofahrzeugen (EV-Fahrer) den Ladevorgang automatisch, sobald sie ihr Fahrzeug an eine kompatible Ladestation anschließen, ganz ohne App oder RFID-Karte. Mehrere Protokolle unterstützen diesen Ablauf, jedes für einen anderen Teil der Kommunikation:

ProtokollVerbindungRolle
ISO 15118Fahrzeug zu LadestationSichere Kommunikation und zertifikatsbasierte Authentifizierung
OCPPLadestation zu ManagementplattformZertifikatsverwaltung und Ladeautorisierung in OCPP 2.0.1 und 2.1, in denen die relevanten ISO-15118-Funktionen umgesetzt sind; OCPP 1.6 erfordert Erweiterungen
OPCPBackend-DiensteStandardisierter Zugriff auf die Root-, Provisioning- und Vertragszertifikatspools, den Zertifikatsbereitstellungsdienst und weitere Funktionen für Plug & Charge

Wie funktioniert OPCP?

Plug & Charge basiert auf einer Public-Key-Infrastruktur (PKI), die digitale Zertifikate für die sichere Authentifizierung ausstellt, verwaltet und prüft. Ein typischer Ablauf mit Plug & Charge umfasst vier Schritte:

  1. Fahrzeug-Provisioning: Der Fahrzeughersteller installiert ein Provisioning-Zertifikat im Fahrzeug und veröffentlicht das zugehörige Zertifikat in einem Provisioning-Zertifikatspool, aus dem autorisierte Dienstanbieter es abrufen können.
  2. Erstellung des Vertragszertifikats: Registriert sich ein Fahrer für Plug & Charge, veranlasst der eMSP die Ausstellung eines Vertragszertifikats. Ein Zertifikatsbereitstellungsdienst erstellt oder signiert die zugehörigen Vertragsdaten, die anschließend in einem Vertragszertifikatspool für die Installation im Fahrzeug gespeichert werden können.
  3. Installation des Zertifikats: Das Vertragszertifikat wird über einen unterstützten Prozess im Fahrzeug installiert, an dem die Ladestation oder das Backend des Fahrzeugherstellers beteiligt sein kann.
  4. Automatische Authentifizierung: Wird das Fahrzeug an eine kompatible Ladestation angeschlossen, legt es sein Vertragszertifikat vor, um den Ladevorgang zu authentifizieren. Voraussetzung ist, dass der Betreiber der Ladestation denselben Root-Zertifikaten vertraut und die erforderlichen Autorisierungsvereinbarungen bestehen.

Was ist der Unterschied zwischen OPCP und OPNC?

OPCP wurde von Hubject entwickelt. OPNC (Open Plug & Charge Network Communication), koordiniert von CharIN, baut auf OPCP auf und verbindet Ökosysteme für Plug & Charge, die unterschiedliche PKIs nutzen.

Gireve veröffentlicht mit PNCP ein drittes Protokoll für die Anbindung an die eigenen Dienste für Plug & Charge.

Warum ist OPCP für CPOs und eMSPs wichtig?

Für CPOs und eMSPs bietet OPCP einen dokumentierten Weg, sich mit Zertifikatsdiensten für Plug & Charge zu verbinden.

Ein CPO benötigt kompatible Ladehardware, ein Lademanagementsystem (CPMS), das Plug & Charge unterstützt, sowie Zugang zu Zertifikats- und Authentifizierungsdiensten. Ein eMSP braucht eine Möglichkeit, Vertragszertifikate für seine Kunden zu veranlassen und zu verwalten, in der Regel über einen Zertifikatsbereitstellungsdienst. Diese Dienste kann ein PKI-Betreiber wie Hubject bereitstellen, statt sie selbst zu entwickeln.

Interoperabilität hängt außerdem von kompatibler Hardware, vertrauenswürdigen Zertifikaten, gültigen Verträgen und unterstützten Integrationen ab; OPCP standardisiert nur den Austausch zwischen den Backends.

So unterstützt AMPECO Plug & Charge

AMPECO ist zertifizierter Plug&Charge-Backend-Anbieter von Hubject. CPOs und eMSPs auf der EV-Lademanagement-Plattform von AMPECO können zertifikatsbasierte Authentifizierung über die Dienste von Hubject für Plug & Charge anbieten, wie auf der Seite zur Hubject-Integration von AMPECO beschrieben. Auf der Seite der Ladestationen setzt die Plattform die ISO-15118-Funktionen von OCPP 2.0.1 um, über die Zertifikate installiert und aktualisiert werden.

Der Leitfaden von AMPECO zu ISO 15118 für CPOs und eMSPs erklärt die PKI und wie Zertifikate für Plug & Charge über OCPP übertragen werden.

Verwandte Begriffe

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen OPCP und OCPP?

OCPP steuert die Kommunikation zwischen EV-Ladestationen und ihrer Lademanagement-Plattform, einschließlich der Funktionen für Plug & Charge. OPCP standardisiert die Kommunikation zwischen den Backend-Diensten, die Zertifikate für Plug & Charge ausstellen, speichern und austauschen. Beide Akronyme bestehen aus denselben vier Buchstaben, daher wird OPCP oft für einen Tippfehler von OCPP gehalten.

Setzt Plug & Charge OPCP voraus?

Nein. Plug & Charge benötigt ein Fahrzeug und eine Ladestation, die ISO 15118 unterstützen, ein Vertragszertifikat vom eMSP des Fahrers und eine PKI, der beide Seiten vertrauen. Backend-Anbieter können Zertifikate über OPCP, OPNC von CharIN, PNCP von Gireve oder eigene Schnittstellen austauschen.

Ist OPCP dasselbe wie OPNC?

Nein. OPCP wurde 2022 von Hubject veröffentlicht. OPNC wird von CharIN koordiniert und erweitert OPCP, sodass Zertifikatsdienste verschiedener PKI-Betreiber zusammenarbeiten können. Das ist wichtig, wenn es in einem Markt mehr als eine PKI für Plug & Charge gibt.

Ist OPCP Open Source?

Ja. Hubject veröffentlicht die OPCP-Spezifikation auf GitHub unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0). Organisationen können sie lesen und eigene kompatible Implementierungen entwickeln; das Repository enthält nur die Spezifikation, keine fertige Software.

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